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Wirtschaftsethik und Unternehmensethik
Seminar - Forum für Kommunikation und Unternehmensethik

 
Wirtschaftsethik und Unternehmensethik
Seminar
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Forum für Kommunikation und Unternehmensethik
Friedrich Dannemann Straße 14
D-72070 Tübingen
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Wirtschaftsethik und Unternehmensethik

 
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Short description -Wirtschaftsethik und Unternehmensethik

Ethik und Unternehmensethik lernen?

„Woran erkennt man einen wertvollen Menschen“, wird in einem der zauberhaften Harry Potter Romane (von Joanne K. Rowling) Albus Dumbledore, der Zauberschuldirektor gefragt. Er antwortet weise: „Es sind die Entscheidungen, die jemand trifft, die Auskunft darüber geben, welchen Charakter er hat, nicht seine Worte“. Mit was für einem Menschen man es zu tun hat, wird an den Handlungen und deren Folgen sichtbar.

I. Woher kommt die Kompetenz, die „richtigen“ Entscheidungen zu treffen? Woher kommen moralische Fähigkeiten?

Ist die Entwicklung der Moral in unseren Genen angelegt und man muß sich nur aufs Abwarten verstehen, bis deren Wirkung sichtbar wird? Oder ist es vielleicht so, dass moralisches Verhalten von der Gesellschaft durch Druck und Lob erzwungen werden müssen? Also ruhig abwarten oder Druck machen und sanktionieren?

Zum Glück trifft keine der beiden Einschätzungen zu. Moralisches Verhalten und moralische Entwicklung sind das Ergebnis von Bildungsprozessen. Ginge es nach unserem spontanen Gefühl und nach unserem Wollen, dann wären wir fast alle moralisch perfekt. Denn kaum einer möchte als unmoralisch oder ungerecht angesehen werden.

II. Kopf oder Bauch?

Um moralische Vorstellungen mit dem Handeln in Übereinstimmung zu bringen, sind bestimmte Fähigkeiten gefragt. Dazu gehört zuerst die ethische Urteilsfähigkeit. Denn Moral ist nicht eine Sache des Bauches ist, sondern eine Sache des Kopfes, d.h. des klaren und unvoreingenommenen Urteils. Woher kommt diese Urteilsfähigkeit? Wie gesagt: eine genetische Disposition gibt es nicht, und mit Gewalt und Druck ist sie auch nicht herzustellen. Sie entwickelt und bildet sich in jedem Menschen von Beginn an aus

III. Die Entwicklung moralischer Urteilsfähigkeit

Seit Lawrence Kohlberg (†1987), dem amerikanischen Harvard Professor am "Zentrum für moralische Entwicklung und Erziehung“, ist bekannt, dass moralische Entwicklung und Urteilsbildung an das logische Denken und Argumentieren gebunden sind. Die Entwicklung moralischer Urteilskompetenz hängt zuerst nicht davon ab, was im Einzelnen für gut und richtig gehalten wird, sondern wie das, was als gut und richtig behauptet und begründet wird.

Kohlberg und seine Mitarbeiter haben zunächst zwischen drei allgemeinen Stufen der Entwicklung moralischer Urteilsfähigkeit unterschieden.

1. Stufe: Menschen auf einer sehr niedrigen Entwicklungsstufe begreifen noch nicht, dass moralische Regeln und Begründungen etwas sind, dem mehrere gemeinsam folgen müssen. Sie geben ihre moralischen Urteile aus der Perspektive ihrer eigenen Interessen ab. Sie sind an Autoritätspersonen orientiert, die ihnen sagen, was gut/böse oder richtig/falsch ist. Richtiges Handeln wird belohnt, falsches bestraft. Richtig zu handeln lohnt sich also- auch ohne Einsicht in die Zusammenhänge.

2. Stufe: Menschen einer mittleren Entwicklungsstufe fühlen sich nicht mehr streng an das gebunden, was ihnen vorgegeben ist. Sie sehen sich als Teil einer Gemeinschaft und verhalten sich gegenüber den Werten und Ordnungssystemen dieser Gemeinschaft loyal. Sie versetzen sich in andere hinein und nehmen die Interessen anderer wahr.

3. Stufe: Menschen, die die höchste Stufe im diesem Modell moralischer Entwicklung erreicht haben, verstehen, dass Regeln und moralische Werte durchaus falsch sein können. Sie erkennen, dass gesellschaftliche Moralvorstellungen ihrerseits von einem allgemeinen und abstrakten Gesichtspunkt aus begründet und gerechtfertigt werden müssen. Sie versuchen Werte und moralische Regeln zu finden, die Gültigkeit haben unabhängig von einer Autorität, von Gruppen und Systemen. Sie wollen Normen und Werte, die über die eigenen Kontexte hinaus gültig sind. Sie denken und handeln autonom.

IV. Moralische Bildung in der Personalentwicklung?


Jeder Mitarbeiter und jede Führungskraft kann Seminare und Trainings besuchen. Seminare in Sozialer Kompetenz, Emotionaler Intelligenz, Business-Etikette und sogar Ethik sind, je nachdem, ein wichtiger und unverzichtbarer Weg. Sie vermitteln grundlegende soziale und kulturelle Fähigkeiten, ohne die das Zusammenleben unerträglich würde.

Sie stellen aber keinen umfassenden ethischen Orientierungsrahmen und Handlungsplan bereit, um zu einer autonomen moralischen Urteilskraft zu gelangen. Sie bestimmen auch keinen ethischen archimedischen Punkt, der zum distanzierten und kritischen Blick auf bestimmte Situationen einladen könnte - das ist auch nicht ihre Aufgabe. Erschwerend kommt hinzu, dass auf die „Wegweiser“, die Führungskräfte, die als Vorbilder in den Unternehmen vor Ort Orientierung geben könnten, vielfach kaum mehr Verlaß ist. Entweder absichtlich oder naiv, jedenfalls zeigen sie häufig in alle möglichen Richtungen, nur nicht in jene, wo es hingegen soll: Die Vorstellungen von Ethik und die notwendigen Handlungen in Übereinstimmung zu bringen.

Was können eine Führungskraft und ein Mitarbeiter tun, um zu einer autonomen moralischen Urteilskraft zu gelangen? Sie können Moral lernen.

V. Einüben und immer wieder einüben – Fähigkeiten erwerben

Otfried Höffe, Philosoph in Tübingen, beantwortet die Frage, wie man Moral lernen könne, mit dem Hinweis auf Aristoteles: durch Einüben und Gewöhnen: Artistoteles sagt: Gerecht wird man, indem man gerecht handelt. Tapfer wird man, in dem man tapfer handelt.
Eine eigene moralische Meinung gewinnt jeder, der sich darum bemüht. Moralische Einstellungen und ethische Denkarbeit wollen eingeübt sein. Auch das Gespräch um Richtig oder Falsch, um die moralischen Vorstellungen und die Praxis will eingeübt sein. Daran kranken viele der ethischen Selbstverpflichtungen in Unternehmen: Das Hochglanzpapier, auf dem alles feierlich niedergeschrieben wird, und die Realität passen nicht zusammen. Um das zu vermeiden, braucht es immer wieder das von guten Argumenten geleitete Gespräch, in dem moralisch-ethische Denkarbeit geleistet und moralische Urteilsfähigkeit eingeübt wird.

Welche Fähigkeiten sind für einen Menschen hilfreich, um an einem von Argumenten geleiteten Gespräch über Moral und Ethik teilzunehmen?

Unverzichtbar ist die Artikulationsfähigkeit: Damit ist die Fähigkeit gemeint, die eigenen Bedürfnisse authentisch zu artikulieren, die Berücksichtigung der eigenen Interessen zu fordern, die Argumente zur Stützung der Bedürfnisse und Forderungen klar darzulegen.

Hinzu kommt die Fähigkeit zur Interpretation: Die geäußerten Bedürfnisse und Interessen wollen interpretiert werden. Die vorgebrachten Argumente gilt es zu verstehen und mit Argumenten anzweifeln zu können.

Mit Konsensfähigkeit ist angesprochen, dass alle, von einem Problem potentiell Betroffenen (Stakeholder) und alle legitimen Interessen, in den Diskurs mit einzubeziehen zu berücksichtigen sind.

Reifes moralisches Denken und Handeln fallen nicht vom Himmel, sondern unterliegen einem Lern- und Entwicklungsprozess: Dieser Prozeß ist in Unternehmen hoch anzusiedeln. Deshalb gehört ethische Bildung in die Personalentwicklungskonzepte.

Ethische Bildung ist auch eine Sache der Vorbilder, der Einübung und des eigenen vorbildlichen Handelns. Vorbilder brauchen selber wieder Vorbilder. Man handelte weise, räumte man Führungskräften und Mitarbeitern in Unternehmen die Chance ein, die unternehmensethischen Selbstverpflichtungen und die unternehmerische Praxis auf gutem Niveau ethisch zu reflektieren, denkerisch zu prüfen und praktisch einzuüben. Vorbildlich.